Angels & Agony

Dass unsere niederländischen Nachbarn mehr zu bieten haben, als guten Käse, Tulpen, Holzschuhe, Klappräder und unsägliche Hartwurst-Kapellen mit ohrenbetäubenden Heulsirenen, und sich dort stattdessen auch auf dem Electro-Sektor einiges tut, beweist eindrucksvoll das Trio Angels & Agony. Mit einer unwiderstehlichen Mischung aus knalligen Beats, atmosphärischen Sounds, hookigen Melodien und Texten mit Tiefgang, erobern sie Herz, Hirn und Beine im Sturm, und blasen der Konkurrenz, die sich seit Jahren auf das ewige Recyceln von erfolgsträchtigen Ideen verlässt, gehörig den Marsch.

1995 von Sänger, Keyboarder und Mastermind Reinier Kahle gegründet, und später um Erik Wierenga, der sich seitdem teilweise für das Programming verantwortlich zeigt, und auch die eine oder andere Gitarre beisteuert, sowie Marco van Belle, der live die Synthesizer bedient, Backing Vocals singt, und für das Management zuständig ist, erweitert, spielte sich die Band schnell in die Herzen einer stetig wachsenden Fan-Gemeinde. Ihr ureigener Sound, der aus einer Kombination von Synth-Pop mit Achtziger-Anklängen, elektronischem Dark Wave, und Einflüssen moderner Club-Sounds erwächst, konnte nicht nur die Massen begeistern, sondern führte auch dazu, dass die Gruppe sich bereits für ihre ersten zwei Veröffentlichungen prominente Schützenhilfe ins Boot holen konnte. So wurde ihre erste Maxi-CD, „Unity“, von Axel Ermes, seines Zeichens Gitarrist der Hamburger Kult-Electro-Wave-Formation Girls Under Glass, produziert. Im Jahre 2000 unterschrieb die Gruppe dann bei Out of Line, und konnte keinen Geringeren als VNV-Nation-Mastermind Ronan Harris, mit dem die sympathischen Holländer seit vielen Jahren befreundet sind, für die Produktion ihres Debüt-Longplayers „Eternity“ gewinnen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine Hammer-Produktion, die Angels & Agony auch sofort verdientermaßen an die Speerspitze der Szene katapultierte.

2004 standen Reinier und Co. mit „Avatar“ in den Startlöchern – einem Album, das auf den Stärken ihres Debüts aufbaut, und diese zur Perfektion treibt. Tanzen, zuhören oder Nachdenken – das Album funktioniert an allen Fronten. Für den Nachfolger ließen sich die Niederländer wiederum fast drei Jahre Zeit. Dass in dieser Spanne kontinuierlich am eigenen Stil gefeilt wurde, zeigt sich bereits nach den ersten Klängen von „Unison“, die einerseits zwar sofort das typische Angels & Agony-Feeling aufkommen lassen, andererseits aber noch knackiger und auf den Punkt durchkomponiert aus den Boxen schallen. Die Songs verbinden die eingängige Melodik von Synth- und Future-Pop mit einer Prise EBM-Wucht und dezenten Anleihen aus dem Dance-Bereich, ohne auf den immer gleichen drei Klischee-Trance-Riffs herumzureiten. Hinzu gesellt sich eine emotionale Tiefe, die sich musikalisch in einer unterschwelligen Schwermut niederschlägt, und sich auch in den Texten widerspiegelt, denn Angels & Agony setzen auf spirituelle Werte und echte Emotionen. Wer nicht nur auf militaristische Stampf-Märsche und Four-to-the-Floor-Gehämmer steht, wird sich diesem Act jedenfalls nur schwer entziehen können, und so werden wir sicherlich noch einiges von ihm hören.


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